21.05.2018 22:04
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Beziehungsdreieck Bereich Schule I

 

Seit den 90 er Jahren haben unsere Volksschulen zahlreiche Reformen durchmachen müssen.

Nennenswert finde ich Folgende:

@ Einsetzen von Schulleitern anstelle des Konvents Vorstandes, was unseren Schulen mehr den Charakter einer betriebswirtschaftlichen Organisation aufdrückte (Stichwort: Change Management)

@ Zusammenlegen von reinen Jahrgangsklassen zu gemischten Klassen (z.B. statt eine reine 3. Klasse Wechsel zu einer 3./4. Klasse)   - siehe Bild

@ Auflösung von Sonderklassen und Einführung von zahlreichen unterstützenden Lehrpersonen und Heilpädagogen um die geschaffene Heterogenität wieder auszugleichen   - siehe Bild

@ Einführung Kompetenzraster für überfachliche Kompetenzen

@ Einführen von diversen Diagnosetest zum Aufspüren von speziellem Förderbedarf der Kinder, daher immer mehr Kinder in therapeutischen Beahandlungen

@ Vermehrtes Einsetzen von Methoden des individualisierten Unterrichts wie Werkstätte, Matheplan, Selbstkorrektur durch die Schüler 

Die Folgen sind vielfältig und unter anderem:

Die Lehrpersonen haben zusätzliche Sitzungen zur Prozessbewältigung (Bezug: Podcast von Urs Junger). Dennoch müssen die Lektionen vorbereitet werden, denn der Schulbetrieb geht ja weiter. So finden wir Lehrpersonen am Rande ihrer Kräfte oder mit Burnout.  

Es herrscht eine immer grössere Unruhe in den Klassenzimmern. Zusätzliche Lehrperonen, Kinder die geholt oder gebracht werden, Inputs für nur einen Teil der Klasse, die neuen Methoden des individuellen Lernens und weitere Gründe führen dazu. Hierzu ein passender Artikel: 

https://www.aargauerzeitung.ch/schweiz/gesundheit-in-gefahr-lehrer-klagen-ueber-zu-viel-laerm-in-klassenzimmern-132461964


Aufgrund der Diagnosetests erhalten immer mehr Kinder, die nicht ganz der Norm entsprechenden Therapiemassnahmen. Nehmen Sie "auffällige" Werte erst mal gelassen entgegen und lassen diese in Ruhe wirken. Lieber einmal abwarten und beobachten, ob sich das als normeler Reifeprozess herausstellt oder ob wirklich ein Handlungsbedarf ist. Sonst kann es es sein, dass Sie sich zusammen mit Ihrem Kind im Netz des Therapiesystems verfangen. Zu viel oder auch die falsche Therapie kann die Haltung des Kindes, die Motivation und Lernfreude negativ beeinflussen. 

Übertherapierte Schüler finde ich in meinen Klassen an der Berufsschule wieder. Verantwortung übernehmen ist für sie fremd. Für sie  wurde bis anhin alles arrangiert und in vielerlei Rücksicht genommen, wo es zum Teil auch nicht nötig gewesen wäre. So kommen die Schüler in eine falsche Erwartungshaltung. Einige schaffen den Rank in die erfolgreiche Selbstorganisation – manche aber auch nicht! Sie scheitern an den Mustern der Abhängigkeit, die ihnen vorher jahrelang antrainiert wurden.


Ich stelle folgende Fragen:

Bewegen wir uns nicht von der Ordnung in die Unordnung?

Sind die von mir genannten Schulentwicklungsmassnahmen als Einzelprozesse zu betrachten oder ist der Gedanke, dass diese Massnahmen bereits Vorbereitungen auf den kommenden Lehrplan 21 waren so abwägig? 

Gerne erwarte ich ihren Kommentar in der vorgesehenen Spalte.